Slumming – der Film

Slumming

„Slumming“ ist eine österreichisch-schweizerische Produktion aus der Regie und Feder bekannten Dokumentarfilm-Regisseurs Michael Glawogger. Der Spielfilm feierte 2006 seine Premiere auf der Berlinale und erzählt über verschiedene Genre greifend die sich kreuzenden Geschichten aus dem Leben eines Obdachlosen sowie zweier in den Tag hineinlebenden Jugendlicher. Michael Glawoggers herausragendes Talent für Dokumentarfilme offenbart sich in diesem dramatischen und sozial-kritischen Film vor allem dadurch, weil hier vermeintliche Gegensätze zur einer Einheit verarbeitet werden. Arm und Reich, Alt und Jung, Laut und Still werden geradezu enttarnend auf den Faktor Mensch herunter gebrochen. So zeigt sich, wie zwei eigentlich verschiedene Menschen doch gleichermaßen verwundbar, anonym und leer erscheinen, wenn sie aus ihren altbekannten und den ihnen dienenden Grenzen herausgerissen werden. Klassenunterschiede werden dann verwischt und Charaktere sowie persönliche Entwicklung auf Null gesetzt. Daran nun auf ihre eigene Weise zu wachsen oder aber zu scheitern, ist somit die absolute und gleichsetzende Aufgabe jener Protagonisten in „Slumming“. Ob sich da nun die oft erzählte Suche nach dem individuellen Lebenssinn, eine zynische Kritik an der Gesellschaft mit ihren Klassen und Unterschieden oder aber gänzlich andere Intentionen erkennen lassen, überlässt Doku-Spezialist Glawogger ganz dem Zuschauer.

Zwei Welten treffen aufeinander

Sebastian (August Diehl) und sein Mitbewohner Alex (Michael Ostrowski) sind das, was man gemeinhin als Yuppies bezeichnen kann. Sebastian stammt aus vermögendem Hause, braucht sich wegen Arbeit und Lebensunterhalt keine Gedanken zu machen und ist stattdessen schlichtweg ein Tunichtgut. Er und Alex haben keinen Respekt vor anderen und verbringen ihre Zeit gar damit, sich in heruntergekommenen Bars, schummrigen Spelunken und Kaffeehäusern in Wien herumzutreiben. Dabei beobachten sie andere Menschen, kommentieren herablassend deren Leben und manipulieren sie hier und da noch dazu. Sie nennen das „Slumming“. Daneben surfen sie ständig im Internet und nutzen dies, um junge Frauen zu daten, diese für sich zu gewinnen und auszunutzen. Besonders Sebastian hat dabei dank seines guten Aussehens und zahlreicher größtenteils erlogener Geschichten leichtes Spiel. Zudem scheint er schlichtweg unnahbar zu sein und keinerlei Konsequenzen tragen zu müssen. Einen Preis für sein bedenkenloses Handeln muss er zum ersten Mal zahlen, als er seiner neuesten Eroberung Pia (Pia Hierzegger) vom seiner Meinung nach lustigen Streich mit dem Obdachlosen Kallmann (Paulus Manker) erzählt.

Was als Scherz begann…

Franz Kallmann ist ein grantiger Straßenpoet. Ohne Bleibe zieht er meist betrunken und ebenso lautstark durch das kalte Wien und versucht, seine Gedichte zu verkaufen. Wer seine Preise nicht bezahlen will, wird mit Anfeindungen bedacht. Auch in Gedanken schmettert er Passanten und Mitmenschen wahllos Beschimpfungen entgegen. Die einzige Bezugsperson scheint die Prostituierte Herta (Maria Bill) zu sein, die er in ihrer gemeinsamen Stammkneipe besucht. Eines Tages wird Kallmann völlig betrunken und nicht ansprechbar auf einer Bank von Sebastian und Alex aufgefunden. Die beiden nutzen dies für einen Streich und stecken den Mann in den Kofferraum ihres Autos. So fahren sie über die Grenze nach Tschechien und lassen Kallmann dort auf einer Bank vor einem Bahnhof zurück, nachdem sie ihm seine Papiere entwendet haben. Als Kallmann dann aufwacht, überwältigt ihn die Verwirrung. Fremde Sprache, fremde Umgebung – schließlich kommt er zu dem Schluss, dass er sich im Ausland befinden muss. Irgendwie muss er nun zurückfinden. Mehr zufällig kommt er zu etwas Geld und will mit einem Bus nach Wien fahren. Jedoch fährt er unglücklicherweise noch tiefer in die tschechische Provinz. Während nun Kallmann seine ganz persönliche Odyssee und dadurch aber auch eine gewisse persönliche Entwicklung durchlebt, ist in der Heimat Pia erbost über den vermeintlichen Streich, auch wenn sie Kallmann nie begegnet ist und versucht ihm zu helfen. Sebastian dagegen bekommt nun Bedenken, dass er für seine Tat gerade stehen und Konsequenzen fürchten muss. Auch er müsste sich nun der Situation stellen.

 

Trailer